Museumsgründer Bruno Kaiser ist im Alter von 69 Jahren gestorben
Wenn Bruno Kaiser eine seiner vielen mechanischen Turmuhren restaurierte, spielte Zeit für ihn die wichtigste und zugleich überhaupt keine Rolle. Stunden-, tage-, manchmal wochenlang tüftelte er in seiner Werkstatt, bis alle Zahnräder perfekt ineinandergriffen, bis die historischen Zeitmesser wieder im richtigen Takt schlugen.
Seine eigene Lebensuhr ist am 26. April 2026 für immer aus dem Takt geraten. Nach langer Krankheit starb Bruno Kaiser im Alter von 69 Jahren. Mit ihm verliert Walldürn eine prägende Persönlichkeit, einen engagierten Bürger und einen Menschen, der mit Leidenschaft und Hingabe vielfältige Spuren hinterlassen hat und fehlen wird – allen die ihn kannten, besonders aber seiner Familie. Was nach seinem viel zu frühen Tod für immer bleiben wird, ist die dankbare Erinnerung an einen warmherzigen, hilfsbereiten und leidenschaftlichen Menschen.
Am 2. Juli 1956 als fünftes Kind von Bruno und Hilda Kaiser geboren, wuchs Bruno Kaiser auf dem elterlichen Bauernhof gemeinsam mit seinen vier älteren Schwestern auf. Schon früh machte er sich mit den Aufgaben und Pflichten in der Landwirtschaft vertraut und entwickelte dabei jene Bodenständigkeit und Tatkraft, die ihn sein Leben lang prägten.
Nach dem Besuch der Grund- und Hauptschule entschied sich Bruno Kaiser für eine berufliche Laufbahn im Metallbereich. Er absolvierte die Berufsfachschule und erlernte anschließend den Beruf des Werkzeugmachers bei der Firma Schittelkop, der er nahezu vier Jahrzehnte lang bis zu deren Schließung treu verbunden blieb.
Bereits im Alter von 16 Jahren lernte er seine spätere Ehefrau Beate Böhrer aus Höpfingen kennen und lieben. Die beiden heirateten 1984 und führten eine von Zusammenhalt und gemeinsamen Interessen geprägte Ehe. Ihre Leidenschaft für die Zucht von Rassehunden führte sie zu zahlreichen Erfolgen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene, insbesondere mit ihren Hovawarten. Im Jahr 1989 wurde Sohn Felix geboren, der fortan den Mittelpunkt ihres Familienlebens bildete.
Neben seinem beruflichen und familiären Engagement war Bruno Kaiser vielfältig ehrenamtlich aktiv. Ob im Biotopschutzbund, im Freizeitsportverein, in der Radgruppe des TV Walldürn, in der Kolpingsfamilie oder im Heimat- und Museumsverein – sein Einsatz bereicherte das gesellschaftliche Leben in vielerlei Hinsicht.
Seine besondere Leidenschaft galt dem Sammeln mechanischer Musikinstrumente, historischen Spielzeugs und alter Turmuhrwerke, insbesondere aus Walldürn und der umliegenden Region. Mit großem persönlichem Einsatz verwirklichte er 2008 einen lang gehegten Traum: die Eröffnung seines privaten Museums „Zeit(T)räume“ in einem von ihm selbst umgebauten ehemaligen Stall seines Anwesens. Durch zahlreiche Erweiterungen und liebevolle Gestaltung entstand ein einzigartiges Ensemble aus Ausstellungsräumen, Museumsscheune, Innenhof und Außenanlage, das sich zu einem kulturellen Treffpunkt entwickelte.
Mit Idealismus, Mut und Weitblick formte Bruno Kaiser gemeinsam mit engagierten Mitgliedern des Fördervereins Museum „Zeit(T)räume“ ein Kleinod in der regionalen Museumslandschaft. Veranstaltungen wie „Kunst im Kaiserhof“ oder „Advent im Kaiserhof“ sowie Vorträge und Konzerte bereicherten das kulturelle Leben der Stadt nachhaltig. Auch in den zurückliegenden Jahren, die von Krankheit geprägt waren, zeigte Bruno Kaiser eine bewundernswerte Stärke. Mit seiner positiven Haltung und seinem unermüdlichen Kampfgeist wurde er vielen Menschen zum Vorbild.
