Ein Symbol der Erinnerung und des Neuanfangs

Historische Bahnhofsuhr aus den 1960er-Jahren offiziell in Betrieb genommen

Es waren gleich zwei bedeutende Botschaften, die der Förderverein Museum „Zeit(T)räume“ mit der offiziellen Inbetriebnahme einer Bahnhofsuhr des Herstellers Bürk aus den 1960er-Jahren im Hof des Museums „Zeit(T)räume“ in der Unteren Vorstadtstraße verbunden hat. Zum einen stand die Feierstunde im Beisein zahlreicher Mitglieder und Ehrengäste im Zeichen des Gedenkens an Museumsgründer Bruno Kaiser, der am 2. Juli 70 Jahre alt geworden wäre. Und zum anderen sollte von der ersten Veranstaltung des Fördervereins nach dem Tod des langjährigen Vorsitzenden Ende April ein Signal des Aufbruchs ausgehen. Ein Signal, dass die Trauer längst nicht überwunden ist, der Museumsbetrieb aber ganz im Sinne von Bruno Kaiser fortgeführt werden soll.

Dass dazu in Zukunft vielleicht auch mal ein kleiner Umweg notwendig werden könnte, wo der Museumsgründer mit seiner großen Erfahrung als gelernter Werkzeugmacher und akribischer Tüftler den direkten Weg gegangen wäre, verdeutlichte Technik-Vorstand Armin Pfaff am Verlauf der Arbeiten zur Installation er alten Bahnhofsuhr. Den Platz auf dem Betonpodest neben der Treppe zum Hintereingang des Wohnhauses hatte Bruno Kaiser noch selbst mit ausgesucht. Als er im Frühjahr in seinem Liegestuhl im Anbau an die Scheune die ersten warmen Sonnenstrahlen genoss, fiel ihm auf, dass er trotz der vielen Uhren im Museumshof von dort aus nirgends die aktuelle Zeit angezeigt bekam. Der Standort für die Bahnhofsuhr, die Bruno Kaiser 2023 bei einer Auktion in Gundelfingen günstig erworben und instandgesetzt hatte, war gefunden.

Vom Aufbau bis zur Funktionstüchtigkeit sollten jedoch einige Tücken auf Armin Pfaff und Peter Baumann, Vorstand für Organisation, zukommen. „Eine solche Uhr kann man nicht so schnell hinstellen“, erklärte Pfaff. „Es braucht einiges an Vorbereitung.“ Weil die Bahnhofsuhr über kein eigenes Uhrwerk verfügt, sondern als Nebenuhr über eine sogenannte Mutteruhr gesteuert wird, musste eine Stromleitung für die LED-Beleuchtung und eine weitere für den minütlichen Impuls von der Scheune hinüber zum Wohnhaus und von dort zur Bahnhofsuhr verlegt werden. Einen auf Maß gefertigten Stahlmasten steuerte Karl Horinger, Geschäftsführer der Firma Metallwaren-Wohlfahrt und seit vielen Jahren Unterstützer des Museums „Zeit(T)räume“, innerhalb weniger Tage bei. „Als die Uhr stand, haben wir zuerst gedacht: läuft“, erinnerte sich Pfaff. Doch bald stellte sich heraus, dass Bruno Kaiser von seinem Liegeplatz aus wohl nur mit dem Kopf geschüttelt hätte. Der Grund: Die Bahnhofsuhr hatte zwei verschiedene Zeiten angezeigt – mit einem Unterschied von einer Stunde und fünf Minuten. Einen Tag später dasselbe Phänomen. Trotz zwischenzeitlich erfolgter Korrektur unterschieden sich die beiden Zeitanzeigen wieder um exakt eine Stunde und fünf Minuten.

Mittlerweile funktionieren die beiden Zifferblätter nahezu identisch. „Den Rest bringen wir auch noch hin“, zeigte sich Pfaff zuversichtlich. Für die Suche nach dem Fehler habe man jedoch ohne die Hilfe von Bruno Kaiser gut viermal so viel Zeit benötigt, wie für das Aufstellen der Uhr. „Er hätte den Fehler systematischer ausgemerzt“, so Pfaff. Immerhin hätten er und Peter Baumann während der Arbeiten „ganz schön viel gelacht“.

Die Freude über die erfolgreiche Installation der Bahnhofsuhr stellte anschließend auch Bürgermeister Meikel Dörr in den Mittelpunkt seines Grußworts. An diesem Projekt werde einmal mehr das außergewöhnliche Engagement von Bruno Kaiser deutlich. Die Inbetriebnahme bezeichnete Dörr als „Zeichen der Wertschätzung und Dankbarkeit für einen Menschen, der das Museum aufgebaut und über viele Jahre mit Leidenschaft, Ideenreichtum und unermüdlichem Einsatz gestaltet hat“.

Die Bahnhofsuhr sei ein Projekt, das über das Sichtbare hinausgehe. Sie zeige nicht nur die Zeit an, sondern erzähle von Beharrlichkeit, Begeisterung und davon, dass gute Ideen weiterleben, wenn Menschen sie gemeinsam verwirklichen. „Bruno Kaiser ist nicht mehr unter uns. Und doch ist seine Handschrift überall zu erkennen“, betonte der Bürgermeister und dankte allen, die dazu beigetragen haben, diesen besonderen Wunsch des Museumsgründers zu erfüllen und gleichzeitig auch ein bleibendes Zeichen der Erinnerung zu schaffen.

Dass dieses Projekt für weitaus mehr stehe, als für die korrekte Anzeige der Uhrzeit, machte auch Pfarrer Karl Kreß deutlich. Miteinander etwas Positives für das Museum und für Walldürn zu bewirken – dieses Anliegen hätten er und Bruno Kaiser immer geteilt und deshalb auch schnell zueinandergefunden. „Versucht, miteinander Gutes zu tun. Bruno hat es gemacht“, ermutigte Kreß die Mitglieder des Fördervereins. „Macht jetzt weiter unter dem Segen des Herrn.“

Passend dazu schloss Professor Felix Kaiser, der nun den Förderverein in die Zukunft führt, die Feierstunde mit der Botschaft: „Es geht weiter!“ Er dankte Armin Pfaff und Peter Baumann für die Realisierung des Projekts und ging auf die tieferliegende Symbolik der Bahnhofsuhr ein. In einem Bahnhof zeige sie den ankommenden und abfahrenden Reisenden die Zeit an. Hier im Museum „Zeit(T)räume“ stehe sie nun aber auch für die letzte Reise seines Vaters. „Bruno war ein Weichensteller, der Ideen hatte und wusste, wo es langgeht“, betonte Felix Kaiser. „Seine Vision bleibt.“

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